01.06.2009 | Venture Visions

Qpoint Composite GmbH - Die Senkrechtstarter

Eine Firmengründung ist normalerweise eine langwierige und schwer kalkulierbare Angelegenheit. Von der ersten Idee bis zum ersten Umsatz vergehen oft Jahre. Die angehenden Unternehmer müssen unvorhersehbare Hürden überspringen, Rückschläge meistern und Durststrecken überwinden. Umso erstaunlicher ist deshalb die Startphase der Qpoint Composite GmbH, einer Ausgründung aus dem Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden (IPF). Nach nur einem Jahr Vorbereitung ist die Gründung offiziell, erste Verträge wurden bereits unterzeichnet. „Bisher lief wirklich alles sehr glatt. Wir sind selbst manchmal erstaunt“, sagt Holger Orawetz. Der 41-jährige Ingenieur für Verarbeitungstechnik und Automatisierung ist Teil eines dreiköpfigen Gründerteams, zu dem auch der Ingenieur Matti Reppe (Fachrichtung Leichtbau- und Kunststofftechnik) sowie der angehende Wirtschaftsingenieur Christian Kohser gehören. Sie alle wollen mit einer Technologie Erfolg haben, die zwar in den Grundlagen nicht neu ist, aber von den Gründern der Qpoint Composite GmbH entscheidend perfektioniert wurde: Faserverbundkomponenten und textile Heizstrukturen, die zum Beispiel in der Luftfahrt eingesetzt werden.

Anders als bei der herkömmlichen Technik müssen die entsprechenden Teile nicht erst in einem Ofen gehärtet werden. Das erledigen integrierte Kohlenstofffasern, die zudem aktiv beheizt werden können – etwa um bei Kälte Flugzeugflügel zu enteisen. Das Verfahren haben sich die Gründer bereits patentieren lassen. Es ist weltweit einzigartig, spart Zeit, Gewicht, Energie und Kosten. Gerade in der aktuellen Situation ein entscheidender Wettbewerbsvorteil „Schon während der Forschungsarbeiten im IPF haben wir sehr viele positive Rückmeldungen aus der Industrie bekommen. Vor allem Zulieferbetriebe aus der Luftfahrtindustrie waren sehr interessiert. So ist im Frühjahr 2008 die Idee entstanden, mit dieser Technologie an den Markt zu gehen. Und zwar so schnell es geht“, sagt Holger Orawetz. Denn der Wettbewerb in der Branche ist hart, andere Unternehmen und Institute betreiben ähnliche Forschungen und wer zu lange wartet, hat womöglich das Nachsehen.

Deshalb knüpften Orawetz und seine Kollegen Kontakte zu Dresden exists und bewarben sich auf ein EXIST-Gründerstipendium, das auch sofort bewilligt wurde. Ein erster Schritt zum Erfolg, dem nun noch viele folgen müssen. „Im Moment läuft sehr vieles parallel. Wir müssen neue Kunden ansprechen, die Produktion koordinieren und einen detaillierten Fahrplan für die nächsten beiden Jahre entwickeln“, sagt Orawetz. Bereits im März hat sich das Unternehmen auf der größten Fachmesse in Paris präsentiert und die Website online gestellt. Nun muss vor allem der genaue Kapitalbedarf ermittelt werden. Denn obwohl die Qpoint Composite GmbH bereits erste Aufträge bearbeitet und in diesem Jahr mit einem Umsatz von rund 500.000 Euro rechnet, muss in Zukunft noch einmal kräftig investiert werden. Rund 500.000 bis 700.000 Euro benötigt die Firma bis Ende 2010, schätzt Orawetz.

Von dem Geld soll dann unter anderem eine neue Fertigungshalle im Raum Dresden gemietet, die notwendigen Maschinen gekauft, Mitarbeiter bezahlt und Forschung finanziert werden. Noch sitzt das Unternehmen in den Räumen des IPF, von dem auch die Fertigungsanlagen für 24 Monate zu günstigen Konditionen gemietet wurden. „Ohne diese Kooperation wäre so ein Blitzstart gar nicht möglich“, weiß Orawetz. Und schon bald sollen zwei erfahrene Interimsmanager, Dr. Dirk Feltin und Frau Scherf, das Team unterstützen. Ein entsprechender Antrag wurde bereits genehmigt. Und nach dem furiosen Start stehen alle Ampeln auf Grün.

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